Der Meeresspiegel steigt

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Vor ungefähr hundert Jahren, als die Temperaturen weltweit nach der Industriellen Revolution zum ersten Mal auf die Treibhausgasemissionen reagierten, begann der Meeresspiegel zu steigen. Seither hat sich der Prozess enorm beschleunigt. Zwischen 1870 und 2000 ist der gesamte Meeresspiegel um nahezu 20 cm angestiegen.

Seit 1900 ist der Anstieg des Meeresspiegels zu ¾ auf die globale Erwärmung und somit auf die Kohlendioxidemissionen zurückzuführen; Ausdehnung des Oberflächenwassers, schmelzende Gletscher und Eiskappen sowie Grundwasser, das zur Bewässerung abgepumpt wurde, sind Auslöser. Der Weltklimarat sagte bis 2100 weitere 59 cm voraus. Dieser eher gering geschätzte Anstieg würde dennoch hunderte von Millionen Menschen von ihren Wohnorten vertreiben.

Die Vorstellung, dass wir einige der bevölkerungsreichsten Städte der Welt beispielsweise New York oder das japanische Nagoya verlassen und dem Meer preisgeben, ist unvorstellbar. Wir werden Deiche bauen um den Ozean zurückzuhalten. London ist bereits seit 1984 durch ein Stauwehr in der Themse geschützt. In den ersten drei Jahren, nachdem sie in Betrieb gegangen sind, mussten sie die Segel zum Schutz einmal im Jahr schliessen, heute dagegen mehr als zwanzigmal.
Deiche müssen das Schlimmste abhalten können. New York wird möglicherweise schon bald im atlantischen Hurrikan Gürtel liegen, weil das wärmende Meer den Wirbelstürmen auch in nördlicheren Breiten noch Nahrung gibt. Schon 2011 sorgte der Tropensturm Irene für Überschwemmung in Manhattan wodurch die Menschen evakuiert werden mussten. Dies war vermutlich ein Vorbote und mittlerweile besteht allgemein Einigkeit darüber, dass die Heftigkeit der Wirbelstürme in den kommenden Jahrzenten zunehmen wird.
Bangkok ist wegen der Grundwasserentnahme im Delta des Flusses Caho Phraya um mehrere Meter abgesunken. Ende 2011 mussten grosse Teile der Stadt Bangkok zum ersten Mal evakuiert werden, da eine Überschwemmung in Verbindung mit einer Springflut den Ring der Deiche rund um die Stadt überwunden hatte.

Auch die grossen Flussdeltas der Welt sind schon bei einem mässigen Anstieg gefährdet. Sie sind der Brotkorb der Menschheit, sie ermöglichen die Produktion der Grundnahrungsmittel wie Weizen, Reis und Mais. Dort steigt der Meeresspiegel 12.5 Millimeter im Jahr, fast viermal so schnell wie der Meeresspiegel insgesamt, da das Land absinkt.

Das Absinken der Küsten kann mehrere Gründe haben:

-geologischer Prozess, aus der letzten Eiszeit, die noch nicht abgeschlossen ist
-Sedimentnachschub wird durch Staudämme oder Bauwerke abgeschnitten, ein Aufbau ist nicht möglich, da Sediment fehlt
-Abpumpen von Wasser und Öl aus dem Boden

Der Bedarf an Nahrungsmitteln wird weiterhin stark ansteigen mit dem rapiden Bevölkerungswachstum. Wir sind somit in Zukunft noch stärker auf die landwirtschaftliche Produktion und die fruchtbarsten Böden (Flussdeltas) der Welt angewiesen. Dort steigt der Meeresspiegel um bis zu 12.5 Millimeter im Jahr, fast viermal so schnell wie der Meeresspiegel insgesamt, da das Land absinkt. Um die bevorstehende Menschenmassenauswanderung einzudämmen, den Brotkorb der Menschheit zu schützen sowie unsere Küstenstädte vor dem steigenden Meeresspiegel zu bewahren, müssen wir die natürlichen Schutzmechanismen der Küsten und Flussdeltas aufforsten. Wie dies funktionieren kann, sehen wir an den tausenden über die gesamten Tropen verteilten ozeanischen Inseln. Die Malediven existieren nur deshalb, weil die Korallen ausreichend stark gedeihen konnten und das Wettrennen gegen die Erosion gewonnen haben. Gesunde Korallenriffe sind Wellenbrecher, die sich selbst reparieren. Sie schützen die Küsten besser als jede Betonwand, die wir auftürmen können, um Städte, Hotels oder landwirtschaftliche Nutzflächen abzuschirmen – ausserdem sind sie weitaus billiger.

Wie Korallenriffe, so sind auch Feuchtgebiete sich selbst reparierende Wellenbrecher. Ihren Wert begreifen die Küstenbauingenieure immer mehr. Das dichte Geflecht aus Wurzeln und Stämmen hält Sedimente fest, bindet sie und stabilisiert damit die Küste. Wenn solche Lebensräume gesund bleiben und die Sedimentzufuhr ausreicht, können sie mit dem Anstieg des Meeresspiegels Schritt halten. Sie sorgen für die Verfestigung einer Schicht aus Schlamm und Torf, deren Dicke mit dem Meeresspiegel ansteigt. Robuste Feuchtgebiete sind wie eine Wand, die sich bei Bedarf immer höher aufbaut. Breite, dichte Salzmarschen brauchen kaum zusätzlichen Küstenschutz, sind sie dagegen schmal und spärlich, müssen sie durch Deiche gesichert werden.

Nachdem in Vietnam die Mangroven, die während des Krieges durch Pflanzenvernichtungsmittel zerstört worden waren, neu angepflanzt hatte, verringerten sich die Kosten für die Deichreparatur von sieben Millionen Dollar im Jahr auf etwa mehr als eine Million.
Lenken wir also unser Bewusstsein und unser Handeln darauf, das Leben der Korallenriffe zu schützen, Feuchtgebiete aufzuforsten und unsere Co2 Emissionen zu verringern.

Was kann ich tun?

Korallenriffe schützen

Mangrovenwälder / Salzmargen wiederaufbauen

Meeresschutzgebiete fördern