Langlebige organische Schadstoffe

Langlebige organische Schadstoffe

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sind zwar unsichtbar, auf lange Sicht für das Leben im Meer sogar gefährlicher als Öl. Ein gutes Beispiel ist die smaragdgrün leuchtende Sarasota Bay in Florida. Gewebeproben der Delfine, die in der Bucht leben zeigen, dass die Tiere eine schwere Schadstoffbelastung aufweisen. Sie stehen am Ende des Nahrungsnetzes. Die Giftstoffbelastung reichert sich im Laufe des Lebens an. Das am stärksten vergiftete Männchen, das man in der Bucht tot aufgefunden hat, war 43 Jahre alt. Sein Fleisch konnte mit seinem Chemikaliengehalt als Giftmüll eingestuft werden. Weibchen geben ihren Giftstoffanteil bei der Schwangerschaft und beim Säugen ihren Nachkommen weiter. Ihr eigener Giftstoffanteil sinkt dann auf ein Minimum ab. Nur die Hälfte von den Jungtieren überlebt das erste Lebensjahr, bei später geborenen Nachkommen sind es siebzig Prozent. Die Chemie ist nicht alleine dafür verantwortlich, natürlich geht es auch um Erfahrung und andere Punkte, dennoch ist es ernüchternd.

Wir Menschen haben einen ähnlichen Körperfettanteil wie Finnwale. Das Fett schafft die Möglichkeit, dass sich in uns genau wie in Delfinen, Seehunden und Walen ein hässlicher Cocktail aus Umweltgiften anreichert. Und wie die Delfine von Sarasota können wir diese Stoffe über die Gebärmutter und die Muttermilch an unsere Kinder weitergeben. Giftstoffe können im späteren Leben alle möglichen Probleme nach sich ziehen, von Lernstörungen bis hin zu Krebserkrankungen. Es stellt sich auch die Frage ob unsere zunehmend vergiftete Umwelt, die Ursache für die steigende Häufigkeit kindlicher Störungen, wie des Aufmerksamkeitsdefizidsyndrom oder Autismus ist. Die gute Nachricht ist, dass PCBs seit 1976 in vielen Ländern verboten ist. Die Stockholmer Konvention über langlebige organische Schadstoffe, die 2001 unterzeichnet wurde, verbietet die Herstellung und den Gebrauch einer ganzen Reihe problematischer Chemikalien. DDT ist zur Schädlingsbekämpfung in einigen Entwicklungsländern immer noch erlaubt. Bis 2008 hatten sich 151 Staaten verpflichtet die Vorschriften einzuhalten. Die Konzentration geht allmählich zurück, doch PCBs und andere Giftstoffe werden noch Jahrzehnte im Umlauf sein, dies kann zb. durch den Abbau verschmutzter Abfälle und Befestigungsmittel aus Bauwerken geschehen. Am Meeresboden können alte Schadstoffe aufgewirbelt werden, wenn sie aus Sedimenten ausgewaschen, durch Treibnetze der Fischerei, oder aus zerfallenen Überresten vergifteter Abfälle freigesetzt werden.

Auch Kupfer, Blei, Zink und Quecksilber belasten die Ozeane. Zu wenig Beachtung findet das freigesetzte Quecksilber, welches durch das Verfeuern von Kohle und der Müllverbrennung in die Umwelt geschleudert wird und wiederum in den Meeren und dem Nahrungsnetz landet. Einer Schätzung zufolge stammen 40 % des Quecksilbers, das die US Amerikaner im Körper haben von Thunfischen. Sowie die heimtückische Wirkung von Methylquecksilber. POPs und Schwermetalle können die Wirkung auf Hormone nachahmen und das endokrine System durcheinanderbringen. Methylquecksilber bewirkte bei Schneesichlern aus Florida, welche in den Sümpfen ihre Nahrung mit dem Schnabel picken, dass die männlichen Vögel sich mit anderen Männchen paaren wollten, da sie für die Weibchen nicht mehr attraktiv waren.

In den 1970-1980er Jahren wurde häufig Tributylin als Fäulnishemmer auf Schiffsrümpfe aufgetragen. Weibchen der Nordischen Purpurschnecke die mit dieser Verbindung in Kontakt kommen, wächst ein Penis, Austern erleiden eine Fehlbildung der Schale und manche Muschelbänke in der Nähe von Häfen und Yachthäfen kollabierten. 2008 wurde ein weltweites Verbot der Substanz ausgesprochen von der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation.

Flammenschutzmittel oder BFRs wurden seit den 1970er als Ersatz für PCBs verwendet. Schwertwale von Hawai enthielten Brandschutzmittel in hoher Konzentration und bei Seelöwen aus Südkaliforniern war die Konzentration noch 45 mal höher. Hohe Brandverhütungsmassnahmen verpflichten die Hersteller Chemikalien einzusetzen. Auf Möbel, in Leiterplatinen, Kunststoffen die in Geräten der Unterhaltungselektronik verwendet werden, Styroporbechern und in manchen Lebensmittelverpackungen sind sie vorhanden, Kunstfaser Kleidung wird damit getränkt. In elektronischen Geräten und dem Polsterschaums von Möbeln machen BFRs 1/4 des Gewichts der Kunststoffe aus. Sie sind weniger giftig als PCB doch auch sie neigen dazu sich in unserem Körper auf dem Weg durch die Nahrungskette anzureichern. Mütter geben sie während der Schwangerschaft und beim Stillen an ihre Kinder weiter. Heute besteht wegen ihrer Gefährlichkeit grosse Besorgnis, manche Staaten unter ihnen Kanada haben die gefährlichsten derartigen Substanzen bereits verboten. Wir sollten an dieser Stelle daran denken, dass solche Substanzen jedes Jahr tausende oder vielleicht Millionen von Menschenleben retten. Brandschutzmittel haben schon viele von uns davor bewahrt im Bett geröstet zu werden. DDT hat Malaria Todesfälle verhindert. Sicherheit einerseits und mögliche Gefahren andererseits brauchen das richtige Verhältnis.

Auch Medikamente zur Bekämpfung gesundheitlicher Probleme nehmen durch die grössere, immer älter werdende Bevölkerung auf der Welt zu. In der Europäischen Union befinden sich raffinierte Reinigungsverfahren in der Erprobung, aber die sind sehr teuer und energieintensiv. Ideen für kostengünstigere und umweltfreundliche Alternativen sind sehr gefragt. In Entwicklungsländern, wo die pharmazeutische Produktion nur lasche Kontrollen hat, ist die Möglichkeit gross, dass Medikamente in die Umwelt freigesetzt werden. Ihre geringe Konzentration bewirkt grosse biologische Wirkung. Manche reichern sich in den Nahrungsnetzen an. Viele werden ausgeschieden und bleiben in der Umwelt über lange Zeit hinweg vorhanden. Ein bekanntes derartiges Medikament ist die des synthetischen Östrgens aus Verhütungsmitteln und Hormonersatztherapien. Unterhalb von Abwasseraufbereitungsanlagen wurden männliche Fische durch diese Substanz verweiblicht. Antidepressiva beeinflussen Stimmung und somit das Verhalten der Fische. Prozac TM kann bei Fischen Symptome wie planlose Schwimmbewegungen, Apathie, Verringerung der Aggression und Fressstörungen auslösen.

Eine neue Klasse der Umweltgifte sind die Nanopartikel. Sie haben einen Durchmesser von einem Millionstel Millimeter. Sie finden sich als Silberteilchen, die als bakterienhemmender Wirkstoff in Unterwäsche und Socke eingearbeitet werden, in Speiseöl, Solarkollektoren, pharmazeutischen Wirkstoffen und unzähligen anderen Zwecken. Nanopartikel gelangen leicht in Abwässer die im Meer landen. Da sie so winzig sind, können sie auch von Körperzellen aufgenommen werden. Die Erforschung und Entwicklung der Nanotechnologie wird grosszügig unterstützt. Muscheln die mit den Nanopartikeln in Glaswolle in Berührung kamen starben. Pestizide mit der Grösse von Nanopartikeln führen zwar zu einem Rückgang der eingesetzten Menge, doch dass sie neue gravierende Umweltschäden hervorrufen liegt auf der Hand.

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