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Aquakultur

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Spätestens seit Beginn des 20. Jahrhunderts ermahnen uns Regierungen, mehr Fisch zu essen. Es gibt jedoch nicht genügend Fische in freier Wildbahn. Die Aquakultur ist deshalb in den letzten 10-20 Jahren rasant gewachsen. Muscheln können sich selber ernähren. Doch die Fische in den Farmen werden gefüttert. Das bedeutet, wir fangen wild lebende kleinere Fische und verfüttern diese dann den in Gefangenschaft lebenden Fischen. Diese kleinen, wilden Fische würden sich jedoch hervorragend für unsere Ernährung eignen, ohne sie erst durch die gefangenen Fische laufen zu lassen. Man braucht oft mehrere Kilogramm wild gefangener Fische, um nur ein Kilo Zuchtfisch erzeugen zu können. Ein umstrittener Aspekt der Aquakultur. Blauflossenthunfische zb. brauchen bis zum zwanzigfachen des Gewichts, das sie selbst an Fleisch produzieren. Für die Produktion von einem Kilo Farm Lachsfleisch benötigt man immer noch fünf Kilo Wildfisch.

Die Massentierhaltung begünstigt weitaus aggressivere Krankheiten als in Freier Wildbahn, Infektionen und Parasitenbefall sind auch ein hohes Risiko bei der Dichte an Fischen und einheitliche genetische Bestände. Somit werden sie mit Antibiotika, Pestiziden und Fungiziden behandelt. Was wiederum Verschmutzung der Ozeane mit sich zieht, da die meisten Teiche zu den Meeren hin offen sind. Wildfischbestände die um Lachsfarmen gelebt haben gehen zurück. Virus Übertragungen von Farm zu Farm werden begünstigt. Gut ist es die Farmen vom offenen Meer zu trennen. Die Züchter haben drei Alternativen was Krankheiten der Zuchtfische angeht: Vorbeugung, Behandlung oder alles zuverlieren. Industriestaaten nutzen zum Vorbeugen bei manchen Tierarten und Krankheiten die Möglichkeit der Impfung. Antibiotika wird zur Phrophylaxe verfüttert. Chile setzt jedes Jahr mehr als hundert Tonnen Chinolone ein, der grösste Teil davon in Fischfarmen, ein Antibiotika das in der Humanmedizin wichtig ist. In vielen Industriestaaten hat man Antibiotika und Medikamente in Aquakulturen bereits verboten.
Es besteht die Gefahr, dass Resistenzen entwickelt werden. In Sedimenten und Wasserproben die in der Nähe von Fisch und Shrimpsfarmen entnommen wurde, kann man solche Resistenzen bereits nachweisen. Einige Erreger sind gegen mehrere Antibiotika immun. Krankheitserreger des Menschen treiben sich in den Teichen herum und können dort Antibiotikaesistenzen erwerben bevor sie dann über die Nahrung wieder zu uns zurück gelangen. Asiatische Karpfenteiche zb in Vietnam reinigen manche Städte ihr Abwasser mithilfe riesiger Aquakulturanlagen. Denken wir das nächste mal im Supermarkt daran, wenn wir dicke Pangasiusfilets angerichtet sehen.

Aquakultur verursacht zudem Unmengen an Abfall. Ein Beispiel: In Schottland setzten Lachsfarmen im Jahr 2000 so viel Stickstoff frei, wie in dem unbehandelten Abwasser von 3.2 Millionen Menschen, also mehr als 60% der Bevölkerung Schottlands. Phosphor entsprach den Abwässern von 9.4 Millionen Menschen. Anfangs des 21. Jahrhunderts gelangten aus chinesischen Shrimpsfarmen insgesamt 43 Milliarden Tonnen Abwässer in die küstennahen Meere, die Abwässer aus Indusrie und Haushalten an Land belief sich nur auf etwas mehr als 4 Milliarden Tonnen. Gefährliche Algenblüten, Fischsterben und Sauerstoffarmut sind Folgen. Die Chinesische Bohaisee ist eine Warnung, dass sauberere Methoden der Fischzucht dringend nötig sind. Die Bestände und somit auch der Profit können durch die giftigen Algen innert weniger Stunden vernichtet werden.
Desinfektion der Deiche passiert oft mit Giftstoffen wie Malachitgrün, welches bei Menschen Krebs erzeugen kann. Auch diese Giftstoffe vermischen sich mit dem offenen Meer.
Natürlich werden schon Genmanipulierte Lachse „AquAdvantage“ Salmon, getestet und stehen kurz vor der Zulassung in Amerika. Gegner befürchten, dass sie in die freie Wildbahn entkommen könnten und ein Chaos anrichten, obwohl die Herstellerfirma diese Befürchtungen abschwächt.

Die Küstenlinien vieler Länder wurden durch den rasanten Anstieg der Nachfrage explosionsartig in Aquakulturen umgewandelt. Dies hat zur Folge, dass Mangrovenwälder, Wattflächen, Salzmarschen und Seegraswiesen dafür umgebaut wurden. Süsswasser, welches man aus dem Boden abgepummt hat für die Schaffung von Brackwasserteiche hat zur Absinkung des Landes geführt. In Vietnam und auf den Philippinen sind in den letzten Jahrzenten ¾ der Mangrovenwälder verloren gegangen, die hälfte davon wegen der Aquakultur. Das Tragische ist, dass viele Becken wieder aufgegeben wurden, da der Boden eines Mangrovenwaldes der der Luft ausgesetzt wird, den Säuregehalt steigen lässt und die Becken unbenutzbar macht, wenn sie nicht vorab ausgekleidet waren.
In Bangladesch stammt die Hälfte der vielen Hundert Millionen gezüchteten Tigergarnelen ursprünglich aus Wildbeständen. Auch in Malaysia und Philippinen ist dies der Fall. Jungtiere von Tiegergarnelen werden nachts mit Scheinwerfern aus freier Wildbahn gelockt und dann in Zucht gebracht. Unzählige weitere Tiere werden so angezogen und in den Tod gerissen. Eine Teiegergarnele kostet mehreren Hundert Jungfischen das Leben, ausserdem mehr als tausend anderer Tiere die vom Plankton leben. Und auch bei anderen Garnelen ist dies der Fall.

Mangrovenwälder und Salzmargen sind enorm wichtig, sie schützen Küsten und Inseln vor Überschwemmungen, sind Kinderstube für gewaltige Vielfalt von Fisch und Muschelarten, Nähr- und Schadstoffe werden aufgenommen und das Wasser wird gesäubert. Viele Arme Menschen sind angewiesen auf Feuchtgebiete. Sie leben von der Fischerei und sammeln Pflanzen, womit sie sich ihren Lebensunterhalt verdienen. Manche konnten Arbeitsplätze in der Aquakultur finden, doch andere kämpfen sich nun durch den Schlamm und die Nebenwirkungen den die Aquakultur hinterlässt. Jene die protestieren werden umgebracht, um jeden Widerstand im Keim zu ersticken.

In den Industrieländern hat die Aquakultur uns volle Supermarktregale eingebracht auf Kosten der Umwelt. Wir müssen sie besser bewirtschaften. Die Wissenschaftlerin und Aktivistin Jurgenne Primavera konnte durch ihre unermüdliche Arbeit aufzeigen, wie wichtig und wertvoll die Mangrovenwälder sind. Sie ist der Ansicht, dass Garnelenteiche nicht mehr als ein Viertel der Fläche eines Mangrovenwaldes in Anspruch nehmen dürfen, wenn wir die ökologische Funktion der Küsten bewahren wollen. Daraus erfolgten wiederherstellungen der Wälder und die Teiche wurden hinter einen natürlichen Puffer aus Bäumen verlegt – ein Erfolg.

Andere probieren sich mit experimentellen Zuchtbetrieben aus, wie in Belize wo Biofloc gefüttert wird, Klumpen aus Mikroorganismen, die an Stärkekörnern haften. Dies vermindert die Futtermenge und die Bakterienstämme tragen dazu bei, dass aus den Exkrementen der Garnelen Nährstoffe wiedergewonnen werden können. Somit wird das Abwasser geringer gehalten.
Es ist besser uns von den saftigen Raubfischen zu verabschieden und stattdessen von der uralten Karpfenzucht zu lernen. Arten die gut zusammen aufwachsen können, sodass sie die Abfälle der anderen beseitigen. Fische die selber kein Fleisch essen sind Nachhaltiger zu züchten als jene die unbedingt Fleisch benötigen. Meeräschen könnten die Verschmutzungsprobleme verhindern, wenn sie mit Raubfischen gezüchtet würden. Seegurken, eine Delikatese Südostasiens, welche in freier Wildbahn stark überfischt wurden sind kleine Staubsauger die Abfälle wiederverwerten.
Viele Fischzüchter sind entschlossen die Nachhaltigkeit zu verbessern. Mit ihrer Begeisterung und Energie kann die Aquakultur tatsächlich gewandelt werden. Gemeinsam mit uns Endkonsumenten steigt die Kraft um das Angebot zur Nachhaltigkeit zu lenken. Information, Wissen, Ideen weitergeben und Unterstützung sind Schritte in die richtige Richtung.

Die Versorgung aus dem offenen Meer könnte um dreissig bis fünfzig Prozent gesteigert, wenn wir die Wildfischbestände gut bewirtschaften und Meeresschutzgebiete fördern. Folgende Artikel könnten Sie auch interessieren:

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